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GLAUBEN(s)LEBEN

Herr lass mich ein Zöllner sein.

 

Sie kennen doch das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner? In Lukas 18,9 ff. erzählt Jesus die Geschichte von zwei Männern, die im Tempel beten. Der eine berichtet Gott was er doch für ein prima Kerl sei. Der andere  bittet Gott nur um Gnade für sein Versagen. Der „prima Kerl“ hat nur Verachtung für den „Versager“, aber Jesus korrigiert. In Gottes Augen sind die Rollen genau anders herum. Oh, wie recht er doch hat, denke ich mir. Dieser Pharisäer, wie kann er nur, empöre ich mich. Danke, dass ich nicht so ein Pharisäer bin. Uups!! Was ist denn jetzt passiert? In welche Falle bin ich da getappt?

 

In der Gemeinde; wie gehen wir da miteinander um? Nein, es beschränkt sich nicht nur auf die Gemeinde. Wie gehen wir, wie gehe ich mit anderen um?

 

Warum fällt es mir so schwer barmherzig zu sein? Ich genieße die Barmherzigkeit Gottes gegen mich. Ich fordere sie sogar ein. Er hat sie mir zugesagt. Er kannte und liebte mich schon, bevor ich überhaupt im Mutterleib geformt war (Jeremia 1,5). Als ich noch Sünder war, hat Gott mich schon geliebt (Römer 5,8).  Ich kenne mich gut.

Ich weiß, dass ich immer wieder versage.

Ich weiß, dass ich immer wieder Fehler mache.

 

So, und nun sitze ich in der Gemeinde im Gottesdienst. Und da sitzen viele andere so wie ich. Ich schau mich um, und dann sehe ich da Eine, was hatte die kürzlich gesagt? Oh, wie konnte sie nur! Oder der da, da hinten, kann der nicht mal netter gucken? Oh, und der Herr Soundso, ich hab da gehört, dass ….! Jetzt fängt die schon wieder an zu beten, bitte erlöse mich Herr. Also diese Predigt …! Und so weiter und so fort.

 

Oder im Supermarkt: Muss die sich aber für den Aldi aufdonnern! Der Mann da sollte mal mit seinem Kind Tacheles reden. Der Teeny hat aber eine alberne Hose an.

 

Wenn ich Menschen begegne, neige ich dazu, sie festzulegen. Ich habe so meine Schablonen, wie einer sein soll oder es ist. Also ein „richtiger“ Christ, der muss, der sollte …! Die Nicht-Christen sind sowieso…! Warum mache ich überhaupt diese Trennung? „Alle haben gesündigt.“ heißt es in Römer 3,23. Und wer das nicht zugeben will betrügt sich selber (1.Johannes 1,8). Ich werde stinke sauer, wenn man versucht, mich in eine Form zu pressen. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn man mich festlegt. Aber im nächsten Augenblick mache ich es so mit anderen. Wie kann ich das ändern?

 

Jesus selber hat uns da einiges zu gesagt. Vergebung! Das ist doch das Evangelium. Deswegen will ich doch an diesen mächtigen, omnipotenten, unfassbaren Gott glauben, sein Kind sein. Ich muss, kann, darf dem anderen vergeben und mir selber.

 

Wieder im Gottesdienst. Ich schaue mich um. Was sind das nur für Typen hier. Wie hatte die Eine das wohl gemeint? Was macht den da hinten so traurig? Ich will mal mit dem Herrn Soundso reden, ob es wahr ist. Wenn die betet, quillt ihr wohl das Herz über. Was will Gott in der Predigt zu mir sagen? Mann, hier sind alles so meschugge Menschen wie ich, die jeden Tag ihren Weg mit Jesus gehen wollen und Jesus hat jeden so sehr lieb.

 

Im Supermarkt. Wenn, die sich so schick macht, ist sie vielleicht verliebt? Der hat’s aber nicht leicht mit dem Kleinen. Oh je, wenn ich daran denke, wie ich meine Eltern mit Klamotten provoziert habe. All die Leute hier hat Gott lieb. Er kennt jeden Einzelnen und will ihn/sie für sich gewinnen, und wenn sie es nicht erfahren, gehen sie für immer verloren.

 

Wie sehr wünsche ich mir diesen Blick für meinen Nächsten. Denn letztendlich leide ich selber darunter, wenn mein Gegenüber zum Feind degradiert wird. Ich lasse mich fangen von schlechten Gedanken und Gefühlen. Sie bestimmen dann mein Denken und Handeln. Ich will das aber nicht. Auch hier kann ich Gottes Zusagen in Anspruch nehmen. Er schafft das Wollen und das Vollbringen (Philipper 2,13). Ich weiß, dass Gott wirklich besseres mit mir vor hat, als mich meiner unvollkommenen, sündigen Natur zu überlassen. Welches Opfer hat er dafür gebracht. (Der Film „Passion“ von Mel Gibson ist zwar bei manchen umstritten, unstrittig ist jedoch die radikale, reale Darstellung von dem Opfer Jesu.) Ja, Jesus ist für mich gestorben. ER ist für mich gestorben. ER hat es vollbracht. ER hat alles, alles auf sich genommen. Ich habe nichts dazu getan. ER hat mich rein gemacht. Wer bin also ich, dass ich mich über den anderen erhebe? Das bedeutet nicht, dass ich Unrecht nicht beim Namen nennen darf. Sünde ist Sünde und ich soll ihr widerstehen. Aber ich darf mich nicht zum Richter aufspielen, denn den gibt es nur einmal. Das nimmt ein schlechtes Ende, wenn man Gottes Stelle einnehmen will (Matthäus 7,1-5 & 18,23-35)

 

Setzen Sie sich doch mal beim nächsten Gottesdienst ganz bewusst in die hinterste Reihe. Dann bitten Sie Gott, ihre Geschwister mit seinen Augen zu sehen. Sie werden erkennen, dass jeder dieser Menschen ein vor Gott hochgeachtetes, geliebtes Individuum ist, das, genau wie Sie, jeden Tag darum ringt mit Gott in seinem Sinne zu Leben. Wenn da Eine/r sitzt, die/der ihnen sehr zu schaffen macht, dann fangen Sie doch einfach mal an für dieses Gotteskind zu beten und es täglich zu segnen. Sie werden die Erfahrung machen, dass Ihr Herz eine Wendung nehmen wird. Das ist wirklich so! Mir ist noch nie jemand begegnet, dem es dann anders ergangen ist.

 

Irgendwann werden wir alle vor Gott stehen. Ich selber werde in der Reihe mit all den anderen sein. Nicht besser, nicht schlechter. Ich stehe mitten in der Schlange von Sündern, aber ich muss mich nicht fürchten, denn durch Jesus bin ich reingewaschen. Er hat mich in die Lage versetzt, Gott schauen zu dürfen ohne dass ich vergehen muss, aus seiner Gnade. Ich und viele Mitstreiter nehmen dies täglich in Anspruch, weil wir es nötig habe.

 

Es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht. (Jakobus 2,13) Allein Gott steht das Urteil zu. Da kann ich wirklich nur jeden Tag immer wieder beten:

 

Herr, lass mich ein Zöllner sein.

 

© M. Hofmann

 

 

Dieser Artikel erschien erstmals in "Aufatmen" 4|2006

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