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GLAUBEN(s)LEBEN | Schaukasten

Ganz ehrlich?! Als ich zum ersten Mal erfuhr, dass die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen diesen Spruch als Jahreslosung für das Jahr 2016 ausgewählt hatte, war ich ein wenig entsetzt und auch enttäuscht. Da war ein Spruch aus der Bibel genommen worden, mit dem ich eher wenig anfangen konnte, bzw. der mir in der Seele quer lag.

 

Das hat zwei Gründe.

1. Mit meinem "Gottesbild" verbinde ich eher eine Vaterfigur. Es befremdet mich, da plötzlich etwas "Mütterliches" zu sehen, vor allem da mir in dieser Hinsicht diese Sicht auf Gott durch manch merk- und fragwürde feministische Theologie verdreht wurde. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn ich an Gott denke, habe ich nicht das Bild eines ehrwürdigen Herren mit Rauschbart. Aber wenn wir von der Trinität reden, dann doch immer vom Vater, Sohn und Heiligen Geist. Jesus selber hat Gott als Vater tituliert.

2. Zum anderen war die Beziehung mit meiner Mutter nicht unbelastet. Trost, Geborgenheit, Frieden, Annahme verbinde ich stark mit meinem Vater. Er hat es mir durch sein Wesen leicht gemacht, Gott als liebevollen, barmherzigen Vater anzunehmen. Genauso weiß ich, dass viele Menschen mit der Vorstellung von Gott-Vater Probleme haben, eben da ihr irdischer Vater kein guter Mensch war.

 

Für manchen wäre das jetzt ein Grund, die Bibelstelle einfach zur Seite zu legen. Ich habe es mir aber zum Ziel gemacht, mich gerade mit Bibelstellen, die mir nicht "in den Kram passen" besonders intensiv auseinander zu setzen, denn ich verstehe es als Herausforderung, Gottes ganzes Wort in meinem Leben wirken zu lassen und fände es äußerst dumm, mich nur mit den Aussagen zu beschäftigen, die in mein Weltbild und meinen Erfahrungshorizont einordbar wären.

 

So habe ich mich erst mal mit dem Kontext, in dem die Stelle steht, beschäftigt. Das Zitat stammt aus dem Ende des Jesaja-Buches im Alten Testament. Es ist also erst mal ein Wort, das sich an Israel ca. 700 v. Christus wendet. Jesajas Prophezeiungen sind zum einen Gerichtsworte, zum anderen Offenbarungen auf Jesus und die Endzeit. Nachdem Gott Israel durch Jesaja mahnt, warnt und aufzeigt, welche Folgen der Ungehorsam seines Volkes nach sich ziehen wird, lässt er sie erahnen, wie er den Frieden und die Erlösung herbeiführen wird. Was für die Juden, sein auserwähltes Volk, seinen Augapfel (Sacharja 2,12), noch Zukunftsvision ist, ist aus Gottes Sicht, dem Allmächtigen, dem Schöpfer, schon Realität. Vom Neuen Testament her wissen wir, dass sich seine Zusagen nicht nur auf die Israeliten beziehen, sondern für jeden, der sich dem DreiEinen Gott zuwendet, gelten.

 

"Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden."

 

Das himmlische Jerusalem wird von Paulus in Galater 4,26 auch als Mutter definiert und wenn man die Jahreslosung im Kontext liest, erfährt man, dass es hier um Zion, das himmlische Jerusalem, den Ort, wo Gott wohnt und wo seine Kinder mit ihm die Ewigkeit verbringen werden, geht. Weiterhin wird sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium Jesus zitiert, wie er über das irdische Jerusalem klagt und benutzt dort für Gott das Bild der Henne, die ihre Küken vergeblich unter ihre Flügel versammeln will. Also auch hier wieder das Bild von der fürsorgenden Mutter.

 

Selbst wenn Viele es lieber anders hätten: Die Nachfolge Christi bedeutet nicht ein beschwerdefreies, unbelastetes Leben. Zum einen leben wir nach wie vor in einer gefallen, korrumpierten Welt, zum anderen "arbeitet" Gott an uns. Es ist oft ein schmerzhafter Prozess, wenn Gott "Hand an uns legt", um uns nach seiner Weisheit frei (siehe Galater 4) zu machen. Aber er lässt uns das nicht alleine durchstehen, sondern er öffnet seine Arme und schenkt uns Geborgenheit in und durch seinen Trost. Und das ist die Kernaussage, die Gott hier macht. "Ich will euch trösten!"

 

Im Hebräischen steht hier das Wort nâcham - נָחַם. Es kann mit Trösten, aber auch Ermutigen übersetzt werden. Das Verb נָחַם nâcham steht im Zusammenhang mit dem Namen Noah נ•חַ nôach (1. Mose 5,29 "…und nannte ihn Noah und sprach: Der wird uns trösten …") und der wiederum leitet sich ab von נוּחַ nûach, was so viel bedeutet wie ruhen, atmen, aufatmen, einatmen. Hier kommt dann ein lautmalerische Vergleich mit רוּחַ rûach, was Atem, Wind oder Geist bedeutet und schon ganz am Anfang der Schöpfungsgeschichte erwähnt wird. (1. Mose 1,2"… und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.") Luther übersetzt uns die Worte Jesu: "Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Johannes 14,26) Was Luther hier als Tröster übersetzt, heißt im Griechischen Text paráklētos, was so viel bedeutet wie, Beistand oder Anwalt. In anderen Übersetzungen wird da auch das Wort Beistand, anstelle von Tröster, verwendet, aber vielleicht hatte Luther das oben genannte Wortspiel im Sinn, als er die Bibel vor 500 Jahren übersetzte? Mir gefällt diese Gedankenspinnerei!

 

Und so bekommt die Jahreslosung eine ganz kostbare und tiefe Bedeutung für mich. Mit Trost ist weit mehr gemeint, als ein gehalten oder "getätschelt" werden. Als ein Gotteskind habe ich die Zusage, das der DreiEine Gott, der Vater, der Sohn, der Heilige Geist sich mir offenbart. Dass er mir durch seinen Geist Einblick in seine Wahrheit und seine Liebe verschafft. Dieser Trost bedeutet einen tiefen Frieden, der gerade diese Zeit, in der die Friedlosigkeit der Welt vor unserer Haustür angekommen ist, weit überstrahlt. Denn auch im Kontext der Jahreslosung geht es letztendlich um Frieden. Das ist das Ziel, das Gott mit seiner Schöpfung hat. Er will uns seinen Frieden wieder zurückgeben, den wir Menschen, als wir uns von ihm abgewendet haben, verloren haben. Gott hat uns so geschaffen, dass jeder von uns auf der Suche nach diesem Frieden ist. Wenn wir uns an ihn halten, so prophezeit er uns, werden wir wieder mit ihm vereint diesen Frieden erlangen. Aber dies ist nicht etwas, das wir erst im Jenseits erfahren können, sondern Gottes Frieden ist jetzt schon durch Jesus greifbar. Sein Geist macht einen Anfang in uns, wenn wir uns Gottes Herrschaft und Souveränität ausliefern. Und so spricht Jesus im Johannesevangelium dann, nachdem er uns den Tröster, den Beistand, zusagt:

 

"Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht."

Johannes 14,27

 

So wünsche ich Ihnen Gottes Trost und Frieden in allem, was Ihnen unser Schöpfer im Jahr 2016 unter die Füße legen wird.

 

Miriam Hofmann, 2016

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Ich hoffe auf und bitte um das Verständnis der ehrenwerten Leser!

 

 

 

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© M. Hofmann