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Kunst und Christentum

eine spannungsvolle Geschichte

 

Eine verkürzte Geschichte zum Kunstbegriff

 

Schon die ersten Kunstwerke des Menschen waren religiös/kultisch motiviert, später handelte es sich bei Malerei und Bildhauerei meist um Auftragskunst für religiöse Institutionen oder Angehörige gesellschaftlicher Oberschichten. Die Motive und Bildsprache unterlagen in den jeweiligen Kulturen oft strengen Konventionen. Religion und Politik haben die Kunst gerne auch als Propaganda missbraucht.

In der Renaissance begann ein Wandel des Verständnisses von Kunst und Künstler, der bis heute anhält. Stand das Handwerk der Kunst vorher im Vordergrund und der Künstler blieb oft anonym zurück, wurde durch das Mäzenatentum u. a. der Medicis, der Künstler an Sich ein immer wichtigerer Faktor in der Wahrnehmung der Kunst. Aus dieser Entwicklung ging letztendlich die Position der Avantgarde hervor, die heute zu einem - immer mehr in die Kritik geratenen - bombastischen Kunstbetrieb geartete ist, der in der Öffentlichkeit hauptsächlich durch das Geld definiert wird.

Zwar hat sich im Lauf der Geschichte der Begriff Kunst stets verändert, aber Kunst ist allezeit das Ergebnis eines kreativen, schöpferischen Prozesses. Sie ist immer eingebettet in der jeweiligen Kultur und wird von ihr beeinflusst.

Seit der Aufklärung versteht man unter Kunst vor allem die Ausdrucksformen der schönen Künste. Das sind heute:

- Die darstellende Kunst (Theater, Tanz, Film)

- Musik (Vokal- und Instrumentalmusik)

- Dichtung (Epik, Drama, Lyrik)

- Die bildende Kunst (Malerei, Bildhauerei, Kunstgewerbe, Kunsthandwerk, Fotografie und Medienkunst)


 

Im Folgenden wird sich mit der bildenden Kunst auseinandergesetzt.

 

Ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte der christlichen Kunst

 

Mit dem Beginn des Christentums war auch ein Anfang der christlichen Kunst gesetzt. Kreuz, Hirte, Lamm, Fisch, Schiff, Palme, Phönix, Taube, Pfau sind einige Symbole, die an Wänden, auf Gräbern, Sarkophagen, diversen Geräten und Schmuck bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Auf Grund der jüdischen Verwurzelung war deren Verwendung jedoch umstritten, da sie dem Verbot der Gottesdarstellung zu widersprechen schienen. Der zurückhaltende Umgang dauerte bis in das 2.Jhnd.. Man begann Bildnisse Christi herzustellen, die im 4.Jhnd. mit biblische Szenen erweitert wurden. In den folgenden vier Jahrhunderte entwickelte sich eine Bildanbetung, die im  Byzantinischen Bilderstreit im 8. und 9. Jhnd. endete. Im Jahr 787 wurde das zweite Konzil von Nicäa einberufen, das die Verehrung unter bestimmten Auflagen erlaubte, aber die Anbetung der Bilder nicht zuließ. Im Protestantismus werden seine Beschlüsse sehr verschieden beurteilt, von grundsätzlicher Anerkennung bis hin zu offener Ablehnung.

Während der Reformation wurde vom Rat der Stadt Wittenberg 1522 angeordnet, dass die Bilder aus den Kirchen beseitigt werden sollten. Dies war der Beginn einer Bewegung, die sich von Deutschland aus, über Holland, die Schweiz sogar bis nach Schottland verbreitete. Seinen Ursprung hatte die Aktion in der Schrift „Vom Abtun der Bilder“, verfasst von Andreas Karlstadt von Bodenstein. Er hatte während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg die Führung in der reformatorischen Bewegung übernommen und dessen neuen Gedanken auf die Bilder angewandt. Seiner Ansicht nach, würden Abbildungen in Kirchen gegen das erste Gebot verstoßen. Er bezeichnete sie als gemalte „Ölgötzen“ und degradierte sie zu Teufelswerk.  Die Ansicht Papst Gregors I. um 600, die Darstellungen seien „der Laien Bücher“, ließ er nicht gelten.

Luther war zwar zum Schluss gekommen, dass alles, was der Schrift widerspräche, abgeschafft werden müsse, jedoch Traditionen, die nicht direkt auf der Bibel fußten, trozdem hilfreich für das Leben der Gläubigen sein könnten und deswegen beibehalten werden dürften. So sprach sich Luther aus didaktischen Gründen gegen ein generelles Bilderverbot in der Kirche aus. Nicht umsonst ließ er von seinem Freund und dem Paten seiner Kinder, Lucas Cranach, seine ersten deutschen Bibeln mit Bildern illustrieren.

Zwingli und Calvin lehnten alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begründet seien. (Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab.)

Als stärkstes theologisches Argument für christliche Kunst gilt seit Johannes von Damaskus (ca. 650-749), dass Gott selbst in der sicht- und greifbaren Menschwerdung Christi das alttestamentliche Abbildungsverbot – das ja im Alten Testament ausdrücklich mit der Unsichtbarkeit Gottes begründet wird – aufgehoben oder zumindest radikal relativiert habe.

 

 

Bildende Kunst und Bibel

 

Das Thema Kunst wird in der Bibel nicht ausdrücklich behandelt, findet aber insbesondere im Alten Testament seine Erwähnung.

Auf dem Berg Sinai gab Gott Mose genaue Vorgaben, wie die Stiftshütte, Gottes Wohnstätte, zu bauen sei. Nachdem Gott das kostbare Material festgelegt hatte, welches die Israeliten zum Bau spenden sollten, lautete seine Anweisung: „Genau nach dem Muster der Wohnstätte und aller Gegenstände, das ich dir zeige, sollt ihr es herstellen.“ (2.Mose 25,9) Dann folgte eine detaillierte Beschreibung dessen, wie Gott sein Zeltheiligtum gestaltet haben wollte. Auch die Künstler legte er fest. Wenn man die Beschreibungen des Allerheiligsten liest, das der hohe Priester nur einmal im Jahr betreten durfte, muss man zur Erkenntnis gelangen, dass Gott sehr viel Gefallen an der Kunst haben muss. Er hatte sich zum eigenen Genuss ein meisterhaftes Kunstwerk geschaffen.

Später in 1. Chronik 28 ff erfahren wir, dass Gott David zwar den Bau des Tempels untersagte, dies war seinem Sohn Salomo vorbehalten, aber dennoch hatte Gott David genaue Instruktionen eingegeben. „All das legte er dar in einer Schrift aus der Hand des Herrn, die über ihm ruhte, und erörterte alle Arbeiten, die der Plan vorsah.“ (1. Chronik 28,19)

Was Gott hier wünschte, hatte keinen rein praktischen Zweck. Es diente  alleine der Schönheit, an der sich der Schöpfer der Welt erfreuen wollte, denn das Allerheiligste des Tempels war allein Gott vorbehalten. Nur der Hohepriester durfte es einmal im Jahr betreten.

Die Bereiche der Stiftshütte und des Tempels, die den Menschen zugänglich waren, sollten die Gläubigen in die Anbetung Gottes führen. Es wäre niemanden in den Sinn gekommen, Stiftshütte oder Tempel anzubeten. Die Herrlichkeit der Bauten galt als Sinnbild der Herrlichkeit Gottes.

Aber im Alten Testament finden sich auch Erwähnungen säkularer Gebrauchskunst. Die Beschreibung des Thrones Salomons verdeutlicht, dass Kunst an Sich nicht in der Bibel abgelehnt wird.

Im Neuen Testament nimmt Jesus selber Bezug auf ein Kunstwerk des Alten Testaments. „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden.“ (Johannes 3,14) Gott hatte Mose die Anweisung erteilt, eine Schlange herzustellen, die den Israeliten als Zeichen seiner Macht dienen sollte. Dieses Gebilde aus Metall wurde im Auftrag Gottes wieder zerstört, aber nicht weil es ein Kunstwerk war, sondern, weil die Israeliten es nicht mehr als Symbol behandelten, sondern die Macht der Heilung von den Schlangenbissen dem Gebilde zuschrieben und nicht mehr Gott in der Verantwortung sahen. Hier wurde die Schlange zu einem Götzen gemacht. Das ist auch im ersten Gebot gemeint, wenn Gott gebietet: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Götterbild machen auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen.“ (2. Mose 20,3-5) Wie hätte er denn dann die Anweisungen für den Bau der Stiftshütte und den Tempel geben können. Dort sollten sogar Gebilde, die die unsichtbare Welt darstellten, aufgestellt werden.

Daraus erschließt sich, dass Kunst, aus Sicht des Schöpfers, an sich nicht verkehrt ist, sondern ihre falsche Verwendung. Sie muss noch nicht mal den einzigen Zweck haben Gott zu verherrlichen. Ihr Sinn besteht schon allein darin, den Betrachter zu erfreuen.

 

 

Kunst Heute - im christlichen Kontext

 

Zwar ist es heute nicht mehr nötig, „der Laien Bücher“ herzustellen, trotzdem kann die bildende Kunst ein Mittel von vielen sein, Gott besser verstehen zu lernen.

Gott hat den Menschen mit fünf Sinnen ausgestattet. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass je mehr Sinne in einem Lernprozess eingebunden sind, je mehr kann davon behalten werden. 10% von dem, was wir lesen; 20% von dem, was wir hören; 30% von dem, was wir sehen; 70% von dem, was wir sagen und 90% von dem, was wir tun.

In der Produktbeschreibung zu dem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe Gottes“ von Gary Chapman heißt es:

„Wie können wir Gott hören und verstehen, was er uns sagen will? Unglaublich, aber wahr: Um es uns leichter zu machen, bedient sich Gott häufig gerade unserer persönlichen Liebessprache.

Daher erfahren manche Menschen ihn besonders im Gottesdienst, andere bei praktischen Taten der Nächstenliebe, wieder andere, indem sie in der Stille ein Wort der Bibel auf sich wirken lassen.

- Jeder Mensch hat seine ganz persönlichen geistlichen Formen, in denen er Gott besonders hört und erfährt.

- Andere müssen nicht genau dieselben Formen des geistlichen Lebens lieben wie wir.

- Gott spricht alle Liebessprachen.

- Kein Mensch muss alle Liebessprachen verstehen, um Gott zu hören.

- Gott will uns lehren, weitere Sprachen der Liebe zu lernen, so dass wir immer besser verstehen, wie er zu uns redet.“

Dies gilt mit Sicherheit auch für den Bereich der bildenden Künste. Dass man durch Musik auf besondere Weise von Gott erreicht werden kann, haben schon viele erlebt. Im Gottesdienst geschieht dies ständig. Nicht umsonst boomt  der Markt mit christlicher Anbetungsmusik, aber auch der Wert der klassischen Musik wird in dem Zusammenhang von vielen geschätzt.

Die Alten Meister sind manchen zwar irgendwie bekannt und finden sich im kollektiven Gedächtnis wieder, aber es fehlt der Zugang. Die moderne Malerei ist in engeren christlichen Kreisen eher durch säkulare, fragwürdige Ausdrucksformen in Verruf. Dabei gibt es auch dort viele Möglichkeiten Gott zu begegnen. Wenn Gott die Wahrheit ist, dann ist überall dort, wo Wahrheit zu finden ist, auch Gott zu finden. Es ist immer wieder bemerkenswert, welche Einsichten und Erkenntnisse Künstler über das Wesen des Lebens haben, auch wenn sie sich nicht mit dem christlichen Glauben identifizieren. Da sind wir verpflichtet in den Dialog zu treten. Die - insbesonders evngelikalen - Christen haben es versäumt, sich der kulturellen Verantwortung zu stellen. Anstelle sie mit zu gestalten, haben sie sich aus dem Kulturbetrieb zurückgezogen und ihn "der Welt" überlassen.

Dem Menschen ist es, als Abbild Gottes, dem Schöpfer, in das Leben gelegt, selber schöpferisch tätig zu sein. Dies gilt zunächst für jeden Menschen und im Besonderen für die, die Gott mit besonderer Kreativität begabt hat.

Leider haben sich durch diverse Missverständnisse, die historisch bedingt sind, bei manchen Christen doch merkwürdige Vorstellungen zur Kunst entwickelt. Auf der einen Seiten, die totale Ablehnung, auf der anderen Seite, die Auffassung, christliche Kunst dürfe nur „schön“ sein und/oder christliche Motive enthalten, was leider sehr die Qualität beeinträchtigt und die Kunst auf Kitsch und plakativen, bzw. propagandistischen Motive reduziert und einengt. Es ist aber die Aufgabe von Künstlern, die sich dem christlichen Gott angehängt haben, ihren Schöpfer zu verherrlichen. Wenn nur „die Welt“ den Weg in die Museen und auf die Leinwände findet, dann hat sich die Christenheit einem wichtigen Raum entsagt. Es gibt in der Schöpfung keine zwei Welten. Gott kann und will sich überall zeigen. Wir haben die Verpflichtung den Menschen eine Alternative zu der Verlorenheit aufzuzeigen. So sieht die Verantwortung der Christen aus. Die neuen Tempel der Kultur bergen große Chancen, dem, der die Kreativität erfunden hat, zu begegnen. Wenn Menschen es vorziehen, sonntags lieber ins Museum, als in die Kirche zu gehen, weil sie evtl. dort Antworten auf existentielle Fragen suchen, sollte dort nicht der Ablehnung ihres Schöpfers ausgesetzt werden. Auch wenn Gott sich überall und durch alles offenbaren kann, denn alles gehört ihm ja sowieso, haben christliche Künstler ein Recht und die Pflicht mit ihrer Begabung ihren Gott zu ehren. Dies schaffen sie durch Qualität, Tiefe, Leben, Anstöße und Einladungen in ihrer Kunst.

 

Kunst ist eine Möglichkeit von vielen, Inhalte der Bibel, Aussagen Gottes anschaulich und  verständlicher zu machen. Sie kann für Manchen ein Fenster zur Seele darstellen um dem lebendigen Gott zu begegnen. Dabei muss sie nicht unbedingt vordergründlich „christlich“ daherkommen, sondern soll das Leben widerspiegeln.

 

Quellen:

u.a. Wikipedia; Francis Schaffer "Kunst und die Bibel"; Hans Rookmaker "Art needs no justification" "Modern Art & death of culture"; H. Brand/A. Chaplin "Art and soul: signposts for Christians in the Arts" 

 

AKTUELLES

 

einzigARTich|Ausstellungen

"ABC der Gnade"

Gruppenausstellung des Kunst-Forums der FeG Bonn

20.11.2016 Vernissage

Dauer 12 Monate

 

 

 

 

 

 

 

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Ich hoffe auf und bitte um das Verständnis der ehrenwerten Leser!

 

 

 

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© M. Hofmann